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Frage / Antwort

Unrechtmäßige Kündigung in Thailand: Ihre Rechte 2026

Manon
Manon SOS-Expat editorial

Im Falle einer unrechtmäßigen Kündigung in Thailand kann jeder Arbeitnehmer – unabhängig von seiner Nationalität – gesetzliche Entschädigungen (bis zu 400 Tage Gehalt je nach Betriebszugehörigkeit) verlangen und innerhalb eines Jahres das thailändische Arbeitsgericht anrufen. Das Gesetz zum Schutz der Arbeitnehmer B.E. 2541 schützt alle Mitarbeiter, die legal im Land arbeiten.

Was das thailändische Gesetz zur Kündigung sagt

Das Gesetz zum Schutz der Arbeitnehmer (LPA) bildet die rechtliche Grundlage des Arbeitsrechts in Thailand. Es gilt für alle Arbeitnehmer, egal ob thailändisch oder ausländisch mit gültiger Arbeitserlaubnis. Eine Kündigung wird als unrechtmäßig angesehen, wenn der Arbeitgeber den Vertrag ohne legitimen Grund, ohne ausreichende Kündigungsfrist oder ohne Zahlung der fälligen gesetzlichen Entschädigungen beendet.

Als illegitime Gründe gelten: eine fiktive Umstrukturierung, Diskriminierung, Vergeltung nach einer Beschwerde oder eine mündliche Kündigung ohne schriftliche Mitteilung.

Die gesetzlichen Entschädigungen, auf die Sie Anspruch haben

Die Höhe der Kündigungsentschädigung in Thailand hängt direkt von Ihrer Betriebszugehörigkeit ab:

  • Weniger als 120 Tage: keine gesetzliche Entschädigung erforderlich
  • 120 Tage bis weniger als 1 Jahr: 30 Tage Gehalt
  • 1 Jahr bis weniger als 3 Jahre: 90 Tage Gehalt
  • 3 Jahre bis weniger als 6 Jahre: 180 Tage Gehalt
  • 6 Jahre bis weniger als 10 Jahre: 240 Tage Gehalt
  • 10 Jahre bis weniger als 20 Jahre: 300 Tage Gehalt
  • 20 Jahre und mehr: 400 Tage Gehalt

Im Falle einer nachgewiesenen unrechtmäßigen Kündigung kann das Gericht auch die Zahlung einer zusätzlichen Entschädigung (Sonderabfindung) anordnen, die 15 Tage Gehalt pro Jahr Betriebszugehörigkeit beträgt, maximal jedoch 360 Tage.

💡 Gut zu wissen

Seit 2019 sieht das LPA einen Zinssatz von 15 % pro Jahr auf nicht fristgerecht gezahlte Entschädigungen vor. Bewahren Sie alle Ihre Gehaltsabrechnungen, Verträge und schriftlichen Korrespondenzen mit Ihrem Arbeitgeber auf – sie sind vor Gericht von entscheidender Bedeutung.

Die Kündigungsfrist: geltende Regeln

Abgesehen von schwerwiegenden Fehlverhalten muss der Arbeitgeber eine minimale Kündigungsfrist einhalten, die dem nächsten Zahlungstermin oder einer Frist von mindestens 30 Tagen entspricht. Wenn keine Kündigungsfrist gewährt wird, ist eine Abfindung für die Kündigungsfrist zusätzlich zu den Kündigungsentschädigungen fällig.

Wie Sie konkret Ihre Ansprüche geltend machen

Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie unrechtmäßig gekündigt wurden, sind hier die Schritte, die Sie befolgen sollten:

  • Schritt 1: Sammeln Sie alle Dokumente: Arbeitsvertrag, Gehaltsabrechnungen, Korrespondenzen, schriftliche Kündigungsmitteilung.
  • Schritt 2: Reichen Sie eine Beschwerde beim Department of Labour Protection and Welfare (DLPW) des thailändischen Arbeitsministeriums ein – dies ist kostenlos und erforderlich, bevor Sie rechtliche Schritte einleiten.
  • Schritt 3: Wenn keine zufriedenstellende Mediation erfolgt, wenden Sie sich innerhalb eines Jahres nach der Kündigung an das Arbeitsgericht (Labour Court).
  • Schritt 4: Informieren Sie Ihre Botschaft oder Ihr Konsulat in Bangkok – einige Konsulate können Sie an rechtliche Ressourcen oder spezialisierte Anwälte verweisen.

⚠️ Achtung

Die Frist zur Einreichung beim thailändischen Arbeitsgericht beträgt ein Jahr ab dem Kündigungsdatum. Nach Ablauf dieser Frist ist Ihr Anspruch nicht mehr zulässig. Zögern Sie nicht zu handeln.

✅ Praktischer Rat

Lassen Sie alle Ihre Dokumente ins Thailändische übersetzen, bevor Sie sie den lokalen Behörden vorlegen. Ein örtlicher Anwalt, der Ihre Sprache spricht, kann den Prozess erheblich beschleunigen und Ihre Chancen auf die fälligen Entschädigungen maximieren.

Für weitere Informationen über den vollständigen rechtlichen Rahmen konsultieren Sie unseren Leitfaden Arbeitsrecht in Thailand 2026.

⚠️ Hinweis

Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und stellt keine rechtliche Beratung dar. Die Gesetze und Vorschriften variieren von Land zu Land und ändern sich regelmäßig. Konsultieren Sie einen qualifizierten Fachmann für Ihre spezifische Situation.

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FAQ

Kann ein Arbeitgeber einen ausländischen Arbeitnehmer in Thailand ohne Entschädigung kündigen?
Nein. Das Gesetz zum Schutz der Arbeitnehmer gilt für alle legal in Thailand arbeitenden Arbeitnehmer, unabhängig von ihrer Nationalität. Ab einer Betriebszugehörigkeit von 120 Tagen sind gesetzliche Entschädigungen fällig. Eine Kündigung ohne Zahlung dieser Entschädigungen ist illegal und kann vor dem Arbeitsgericht angefochten werden. Der Status als Ausländer mindert Ihre Rechte nicht, vorausgesetzt, Sie besitzen eine gültige Arbeitserlaubnis.
Wie lange habe ich Zeit, um eine unrechtmäßige Kündigung in Thailand anzufechten?
Sie haben ein Jahr ab dem Datum der Kündigung Zeit, um das thailändische Arbeitsgericht anzurufen. Zuvor ist es erforderlich, eine Mediation beim Department of Labour Protection (DLPW) durchzuführen. Dieser Schritt ist kostenlos. Zögern Sie nicht: Eine schnelle Beschwerde stärkt Ihre Position und vermeidet Komplikationen aufgrund der Verjährung.
Kann mein Arbeitgeber mich bei schwerwiegendem Fehlverhalten ohne Entschädigung kündigen?
Ja, in bestimmten Fällen. Das thailändische Gesetz erlaubt eine Kündigung ohne Entschädigung bei schwerwiegendem Fehlverhalten: unehrliches Verhalten, vorsätzliche Straftaten, grobe Fahrlässigkeit, die dem Unternehmen schadet, Verstöße gegen interne Vorschriften nach schriftlicher Abmahnung oder unentschuldigtes Fehlen von 3 aufeinanderfolgenden Tagen. Außerhalb dieser eng definierten Fälle muss eine Kündigung mit der Zahlung der gesetzlichen Entschädigungen erfolgen.
Wie wird das Referenzgehalt für die Kündigungsentschädigung berechnet?
Das Referenzgehalt für die Berechnung der Entschädigungen entspricht dem letzten brutto Monatsgehalt oder dem Durchschnitt der Gehälter der letzten 90 Tage, wenn die Vergütung variabel ist (Provisionen, regelmäßige Boni). Stabile Sachleistungen (bereitgestellte Unterkunft, Dienstwagen) können je nach vertraglicher Regelung einbezogen werden. Für eine präzise Berechnung, die auf Ihre Situation zugeschnitten ist, wird eine Beratung durch einen auf thailändisches Arbeitsrecht spezialisierten Anwalt empfohlen.
Kann ich eine einvernehmliche Aufhebung des Vertrags anstelle einer Kündigung in Thailand verhandeln?
Das thailändische Gesetz sieht kein Verfahren für eine einvernehmliche Aufhebung wie in Frankreich vor, aber es steht nichts einer einvernehmlichen Vertragsauflösung (mutual agreement) entgegen. In diesem Fall werden die Bedingungen (Höhe der Entschädigung, Frist, Arbeitszeugnis) frei zwischen den beiden Parteien verhandelt. Es wird dringend empfohlen, dieses Abkommen von einem lokalen Anwalt erstellen oder überprüfen zu lassen, um sicherzustellen, dass Sie keine Rechte aufgeben, auf die Sie rechtlich Anspruch haben, insbesondere die gesetzlichen Mindestentschädigungen.

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